Wohngeld nach BAföG-Ablehnung wegen spätem Fachrichtungswechsel
Problembeschreibung
Der Studierende hat ein vorheriges Studium nach dem 7. Semester abgebrochen. Im neuen Studiengang an der Uni Oldenburg konnten 60 Kreditpoints aus dem vorherigen Studium angerechnet werden, so dass nun der Einstieg ins 3. Semester erfolgt. Trotz der Anrechnung wird dies als zu später Fachrichtungswechsel gewertet und sein Anspruch auf BAföG geht verloren.
Allerdings haben die Eltern immer schon mit dem Kindergeld von derzeit 259 € kofinanziert. Weil er noch unter 25 Jahre alt ist und seine Eltern gesetzlich krankenversichert sind, ist er bei ihnen kostenlos familienversichert. Die Mietbelastung liegt bei 375 € (310 € Bruttokaltmiete, 25 € Strom, 40 € Heizung).
Woher das fehlende Geld?
Zum Arbeiten bleibt neben dem Studium kaum Zeit. Der Bildungskredit hat bei Bachelor-Studiengängen nur noch die Auflage, dass die Leistungen des 1. Studienjahrs erfolgreich erbracht wurden. Dies ist hier der Fall.
Der Kredit hat im ersten Antragszyklus eine Laufzeit von maximal zwölf Monaten und eine Auszahlungshöhe von 300 € (beim Bildungskredit geht monatlich ohnehin nicht mehr). Da 259 € Unterhalt und 300 € Kredit immer noch knapp bemessen sind, soll Wohngeld die Lücke schließen. Wohngeld kann wegen der BAföG-Ablehnung ausnahmsweise gezahlt werden, weil es kein rein rechnerischer Ablehnungsgrund ist (Hintergrund).
Wohngeldberechnung (Stand: 2026)
Die Mietbelastung liegt bei 375 € (310 € Bruttokaltmiete, 25 € Strom, 40 € Heizung).
Hauptfaktoren für die Wohngeldformel sind Miete und Einkommen:
In der Wohngeldermittlung wird zunächst nur die Bruttokaltmiete - hier 310 € - herangezogen. Es gibt eine Obergrenze, die aber in Oldenburg bei Single-Haushalten 530,20 € beträgt, selbst wenn man in einer WG wohnt. Somit kann die Miete ungekürzt in die Rechnung eingehen.
Im Wohngeldgesetz werden Darlehen nicht als Einkommen behandelt, womit nur noch die Kindergeldzahlungen eine Rolle spielen: 259 €.
(Anmerkung: Weiterleitungen des Kindergelds von außerhalb des Haushalts werden hier als Unterhalt gewertet, denn die eigentlichen Empfangenden sind die Eltern. Sie benutzen das Geld dann, um ihre Unterhaltspflicht zu erfüllen.)
Ergebnis: 366 € Wohngeld (Stand: 2026)
Wohngeldrechner des Bundesministeriums
Insgesamt stehen folglich 259 € Unterhalt + 300 € Kredit + 366 € Wohngeld = 925 € zur Verfügung.
Glaubwürdigkeit des Antrag: "Mindesteinkommen"
Wie hier beschrieben lehnen die Wohngeldstellen Anträge ab, wenn zu wenig Einkommen vorliegt, weil unterschlagenes Einkommen unterstellt wird. In unserem Fall ergäbe sich folgendes modifiziertes Sozialhilfeniveau plus Studienkosten:
| Lebenshaltungskosten | |
450,40 | 80 % Regelbedarf für Alleinstehende (2024, 2025, 2026) |
350,00 | Miete (ohne Strom) |
69,30 | Rückmeldegebühr (Uni WiSe 2025/26): 415,80 € / 6 |
869,70 | Gesamtbedarf |
Dieser Bedarf kann gedeckt werden, wenn keine besonderen Belastungen oder Schulden bedient werden müssen. Es wäre sinnvoll, einen Antrag auf Erstattung der Semesterticketgebühren beim AStA der Universität zu stellen. Damit wären ca. 34 € monatlich einsparbar.